Weites Tal mit Flußlauf, gruenen Haengen und Bergen im Hintergrund unter hohem Himmel.

Reisen

Südosteuropa

Neun Länder zwischen Karpaten und Adria

6.000 km · Motorrad · 12 Tage

Südosteuropa lässt sich nicht in eine Strecke fassen, aber es lässt sich abfahren. Von der Slowakei über Ungarn, Rumänien und Moldawien an das Schwarze Meer, weiter über Bulgarien und Griechenland an die Adria, durch Albanien und Montenegro, und am Ende durch Bosnien und Herzegowina. Neun Länder auf einer Linie, an der Grenze zwischen dem, was einmal Mitteleuropa war, und dem, was nie ganz dazugehörte. Was unterwegs hängen bleibt, sind Wiederholungen: gepflügte Hügel und Rebhänge, Wartehallen mit Blumenmosaik, verlassene Hallen, Masten mit Hornlautsprechern, Störche auf Straßenlaternen, Kirchtürme neben Denkmälern. Die Gegenwart liegt in Schichten über der Vergangenheit, und meistens stehen beide einfach nebeneinander. Gefahren bin ich mit dem Motorrad, von Norden nach Süden.

Slowakei

Die Slowakei liegt am Anfang der Reise, und sie beginnt gleich mit zwei Zeitschichten. Auf den bewaldeten Hügeln stehen die Mauerreste der Zipser Burg, dahinter laufen die Ketten der Karpaten nach Osten. Daneben liegen die Städte der Nachkriegszeit, am Fuß der Berge für die Arbeiter der Maschinenwerke geplant: breite Alleen, Wohnblöcke, ein Platz mit Obelisk.

Nachts leuchten die Fenster dieser Blöcke, und auf den Masten stehen Hornlautsprecher, die niemand mehr braucht.

Ungarn

Ungarn ist die Ebene und der Wein. Die Reben laufen in geraden Zeilen über sanfte Hügel, dazwischen Feldwege ohne eine einzige Kurve. Es ist die ruhigste Strecke dieser Reise, und die kürzeste.

Rumänien

Rumänien ist das größte Land dieser Reise und das mit den größten Gegensätzen. Die Karpaten wölben sich durch die Mitte, die Donau läuft an der Grenze entlang und mündet im Delta ins Schwarze Meer. Dazwischen liegen Dörfer mit Holzkirchen, Felder bis zum Horizont und Bahnstrecken, die im Wald verschwinden.

Am Straßenrand steht das Neue neben dem Alten, meistens ohne Übergang: eine Halle ohne Dach, daneben zwei blau gestrichene Schornsteine. Störche bauen ihre Nester auf Straßenlaternen, im Vorgarten reifen Pflaumen, und in Tulcea am Rand des Deltas liegen die Kräne noch im Wasser.

Traditionelle Holzkirche mit hohem, schlankem Schindelturm ueber einem Kiesplatz.
Holzkirche mit hohem Schindelturm, irgendwo zwischen den Hügeln im Norden.

Moldawien

Moldawien liegt zwischen dem Prut und dem Dnister, und es ist das Land der Wartehallen. An jeder Landstraße stehen Betonunterstände mit Mosaikwänden aus Blüten und Rauten, viele mit einem runden Durchbruch, und sie sind alle noch in Benutzung. Dazu Brunnen mit rotem Blechdach, Betonstelen am Dorfeingang und ein hölzerner Mischa mit den fünf Ringen auf dem Bauch.

Vor einer Häuserfront steht ein Lenindenmal mit Mantel und Mütze. In derselben Straße leuchten abends die vergoldeten Kuppeln einer Kirche.

Bulgarien

Bulgarien führt vom Balkan an das Schwarze Meer. In Burgas schieben sich Seebrücken auf runden Stützen ins Wasser, Treppen mit weißen Geländern steigen auf die Molen, und am Brückenkopf steht ein schlanker Turm mit einer Laterne, der im letzten Licht tiefblau wird.

Die Stadt erzählt an ihren Fassaden weiter: aus einem Balkon wächst ein Baum, an einer Straße stehen drei Metallcontainer, deren Plakate jemand abgerissen hat.

Monumentales Gebaeude mit Saeulenfront und grosser Inschrift ueber einem weiten Platz.
Gerichtsgebäude am Platz, Monumentalarchitektur zwischen den Jahren.

Griechenland

In Griechenland wird die Straße eng und das Licht hart. Ein alter Wagen steht vor einer verfallenen Fassade mit geschlossenen Rollläden, ein Giebel trägt einen Schriftzug in griechischen Buchstaben, und über dem Bergrücken geht die Sonne unter, während die Wolken darüber schon dunkel sind.

Sonne über einem Bergmassiv im Gegenlicht, von dunklen Wolken und unscharfen Zweigen gerahmt, Griechenland.

Abendsonne über dem Bergrücken

Sonne hinter dem Grat, das Licht bleibt, während der Berg schon dunkel ist.

Fine-Art-Print · 60 × 40 bis 120 × 80 cm

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Albanien

Albanien ist das Land der Bunker. Die Betonkuppeln mit ihren Sehschlitzen liegen zu tausenden in den Wiesen, abgewittert und mit Flechten überzogen, dahinter Kiefern und Berge. Am Fuß der Berge ziehen sich Lagunen hin, flach und mit Schilfinseln, das Wasser fast weiß und der Bergzug dahinter schwarz.

Montenegro

Montenegro ist klein und fast ganz Berg. Die Weiden laufen in Wellen über die Hänge, dazwischen stehen einzelne Bäume und eine kleine Hofgruppe, dahinter die bewaldete Flanke. Am Morgen liegt das Licht noch flach darüber.

Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina liegt quer über den Dinarischen Alpen und hat nur einen kurzen Streifen Küste. Im Landesinneren stehen Häuser, die nie fertig geworden sind, daneben Ruinen mit zwei freistehenden Schornsteinen. An der Straße rostet das gelbe Schild einer Tankstelle vor sich hin, Benzinska pumpa, zwischen Gras und Sträuchern.

Werke dieser Reise